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Philipp Öttl (KTM): «Du kannst tief hinunterfallen»

Von Günther Wiesinger
Philipp Öttl

Philipp Öttl

Philipp Öttl erlebte 2018 eine enttäuschende Saisonhälfte und blieb 2019 in der Moto2 punktelos. Er klingt verbittert, kritisiert KTM und erzählt, warum er nicht in die Moto3 zurückgekehrt ist.

Der letztjährige Red Bull-Tech3-KTM-Pilot Philipp Öttl kassierte im Vorjahr in sein er ersten Moto2-Saison keinen einzigen WM-Punkte. «Mein Selbstvertrauen war schon in der zweiten Saisonhälfte 2018 in der Moto3-WM weg», stellte er im SPEEDWEEK.com-Interview offenherzig fest. «Aber wenn man sich in so ein Loch reinbuddelt, muss man auch Wege finden, wie man wieder rauskommt», ergänzte er vor dem Umstieg in die Supersport-WM bei Puccetti-Kawasaki, wo Lucas Mahias sein Teamkollege sein wird.

Philipp Öttl strengte sich im Herbst bis zum letzten Moto2-WM-Rennen an, aber seine Platzierungen wurden nie sichtbar besser.

Der Bayer erkannte bereits im vergangenen Sommer, dass seine Tage in der Moto2 gezählt waren, auch deshalb, weil sich KTM per Saisonende aus der Mittelgewichtsklasse zurückzog. Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal riet dem 23-jährigen Bayer von der Rückkehr in die Moto3-WM ab, in der er bereits sechs Jahre verbracht hatte.

Aber Öttl dachte trotzdem ernsthaft über eine Rückkehr nach. «Das Angebot, das ich in der Moto3 gehabt habe, war so gut… Wenn ich 2020 in der Moto3 gefahren wäre, wäre es sicher nicht auf einer KTM gewesen. Ich habe zwar das allerbeste Angebot vom Max Racing Team mit Husqvarna bekommen. Aber ich habe es einfach nicht geschafft, ‚Ja‘ zu sagen.»

Im Sommer war jedoch zu hören, dass KTM nach der verpatzten Moto2-Saison kein Interesse an einer weiteren Unterstützung Öttls hatte. Dafür gab es auch einen Kontakt zum renommierten Moto3-Team Gresini-Honda.

Philipp Öttl ist jedoch der Ansicht, KTM hätte ihn wieder als Moto3-Fahrer beschäftigt. «Denn sie haben im Endeffekt gesehen, dass sie nicht genug Moto3-Fahrer haben. Sie haben jetzt das Glück, dass sie Fenati und Lopez für das Husqvarna-Team bekommen haben. In der Saison 2019 hat sie Aron Canet mit seinem fahrerischen Können gerettet. Er ist nicht Vizeweltmeister geworden, weil das Motorrad so gut ist… Das Motorrad war zu langsam. Aber Aron reißt das Motorrad so herum, das ist brutal. Er wird in der kommenden Saison auch in der Moto2 im Martinez-Team richtig gut sein.»

Aus den Worten Öttls ist Verbitterung herauszuhören. Er hat sich das Ende seiner GP-Karriere anders vorgestellt – und den Abgang bei KTM auch. Er hat seine ganze Road-Racing-Laufbahn auf KTM Verbracht – vom Rookies-Cup über die CEV bis zur WM und dem Höhepunkt mit dem schönen GP-Sieg in der Moto3-WM in Jerez 2018.

Aber Philipp Öttl ist sich bewusst, dass er als Fahrer Schwächen gezeigt und Fehler gemacht hat. War er zu verbissen? Hat er sich im Red Bull-KTM-Team zu viel Druck gemacht?

Öttl: «Es gibt eine ganz feine Linie, auf der du dich als GP-Fahrer bewegst. Es ist so, wie wenn du auf einem Bergkamm entlang gehst. Wenn du da oben in der Mitte wanderst, kannst du links und rechts viele Meter weit in die Tiefe hinunterfallen. Jeder Rennfahrer muss herausfinden, was für ihn passt. Für jeden Fahrer passt ein anderer Weg. Ich muss jetzt den Weg wieder finden, den ich vor Jerez 2018 verfolgt habe. Das war der beste Weg.»

Beim Moto3-GP 2018 in Japan atmete Öttl erleichtert auf. Er meinte damals, er habe ein Rezept gefunden, wie er die Moto3-KTM mit weniger Kraft am Limit steuern und deshalb im Rennen besser abschneiden könne. Aber er sammelte trotzdem 2018 in den 15 Rennen nach dem Jerez-Sieg nur karge 23 Punkte.

Öttl: «2018 sind so viele Sachen zusammen gekommen. Wenn mich Jorge Martin damals in Australien im Rennen nicht in den Kies geschoben hätte, hätte ich in Phillip Island aufs Podest fahren können. Dann wären die Kritiker verstummt. Klar, nach meinem Sieg hat nichts mehr zusammengepasst. Aber ich hätte trotzdem auf dem Sachsenring aufs Podest fahren können, in Brünn ebenfalls. Es ergaben sich so viele Möglichkeiten. Aber es hat einfach nichts mehr geklappt. Manchmal passt alles, du gehst als Erster in die letzte Runde, aber dann rammt dich einer– und du wirst 15. So etwas passiert einfach. Das kommt vor. Es kann nicht immer bergauf gehen. Und es ist nicht jeder Fahrer ein Márquez oder ein Rossi.»

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