Stefan Pierer (KTM): Marc Márquez passt nicht zu uns

Von Günther Wiesinger
«Marc Márquez wurde uns in den letzten Monaten oft angeboten», sagt KTM-Chef Stefan Pierer. Aber er kommt in den Plänen für 2024 nicht vor – dafür sind Acosta, Fernández und Pol Espargaró fix.

Marc Márquez (30) wurde bereits beim Sepang-Test im vergangenen Februar gefragt, ob er sich vorstellen könnte, seinen HRC-Vertrag für 2024 aufzulösen, um sich schlagkräftigeres Material zu sichern. Nach der desaströsen Bilanz der ersten acht Grand Prix (kein einziger Punkt am Sonntag, nur 19. WM-Rang) reißen die Spekulationen um die Zukunft des sechsfachen Weltmeisters nicht mehr ab.

Gleichzeitig sucht die Pierer Mobility AG dringend nach zusätzlichen MotoGP-Plätzen. Da es bei GASGAS Tech3 für nächstes Jahr mit Pol Espargaró, Moto2-Weltmeister Augusto Fernández und den aktuellen Moto2-Titelanwärter Pedro Acosta drei Kandidaten für zwei Plätze gibt, wurden in den letzten Monaten alle möglichen Szenarien diskutiert. Aber bisher gibt es keinen zusätzlichen Slot. Die Pierer-Gruppe erhielt auch für Moto3- und Moto2-Teamchef Aki Ajo von der Dorna keinen Platz für Rookie Pedro Acosta.

Gleichzeitig wird in Spanien und Italien seit Monaten immer wieder damit spekuliert, dass Marc Márquez dank seiner Red-Bull-Connections zu KTM stoßen könnte. Zuletzt hatte SPEEDWEEK.com berichtet, dass es auch Kontakt zum enttäuschten LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello gab, der jedoch einen Dreijahres-HRC-Vertrag bis Ende 2024 unterschrieben hat.

SPEEDWEEK.com erkundigte sich heute bei Stefan Pierer, dem Vorstandsvorsitzenden der Pierer Mobility AG, nach dem Stand der Dinge.

Stefan, beim GASGAS-Team gibt es jetzt drei Kandidaten für zwei Plätze. Wie kann dieses Problem gelöst werden? Bisher stehen nur zwei Plätze bei Red Bull KTM und zwei bei GASGAS Tech3 zur Verfügung. Man könnte Pol Espargaró überreden, in die Rolle des Test- und Ersatzfahrers zu schlüpfen?

Das wird sich alles ergeben. Wir müssen Pol zuerst einmal wieder die Chancen geben zu zeigen, wie gut er sich erholt hat. Er war ja ein halbes Jahr nicht dabei. Dass er Testfahrer wird, ist momentan kein Thema. Es hängt von Pol ab, wie es ihm geht. Wenn er die erwarteten guten Leistungen bringt, wird er nächstes Jahr eine komplette Saison fahren. Wir haben ja einen Vertrag mit ihm.

Aber es fehlt ein Platz. Deshalb hält KTM nach zusätzlichen MotoGP-Plätzen Ausschau. Auch Ducati hat mitbekommen, dass Gresini kontaktiert worden war.

Es wird viel erzählt. Fakt ist, dass Pedro Acosta 2024 auf einer MotoGP-KTM sitzen wird. Wo immer das sein wird. Und wenn ich einen zusätzlichen Platz brauche, wird sich alles regeln.

Das Gresini-Team ist grundsätzlich keine Option für mich gewesen.

Kannst du dir angesichts der aktuellen Wirtschaftslage vorstellen, künftig mehr als vier MotoGP-Slots zu beanspruchen?

Die aktuelle wirtschaftliche Lage wird die Situation für die privaten MotoGP-Teams nicht einfacher machen. Ich höre, das zweite Aprilia-Team hat bereits finanzielle Schwierigkeiten; es muss von Aprilia gestützt werden.

Du wirst sehen: Das regelt sich.

Die Pierer-Gruppe hat sich auch bei LCR-Teambesitzer Lucio Cecchinello erkundigt, der als Honda-Partner schwierige Zeiten durchlebt. Aber er wird voraussichtlich mit Honda weitermachen.

Ich mache mir große Sorgen, dass nach Suzuki auch Honda aussteigt.

Mit dieser Befürchtung bist du nicht allein. Aber die Experten meinen, die stolzen Japaner steigen nie aus, wenn sie unten sind. In der Formel 1 sind sie auch erst nach dem ersten Titelgewinn mit Max Verstappen ausgestiegen.

Ja, schauen wir mal.

Marc Márquez hat zwar einen HRC-Vertrag für 2024. Aber die Honda-Chefs haben verlautbart: Er kann gehen, wenn er möchte, man wird ihn nicht zum Bleiben zwingen. Ist es vorstellbar, dass Márquez zu KTM kommt? Du hast ja schon 2019 gesagt: «Wenn er gewinnt, ist es der Fahrer, wenn er verliert, ist es mein Motorrad.»

Genau, daran hat sich nichts geändert. Was glaubst du, wie oft er uns in den letzten Monaten schon angeboten worden ist.

Aber Marc Márquez ist ein Red Bull-Athlet. Auch Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta braucht ihn als Titelanwärter; er gilt nach Rossis Rücktritt als kräftigstes Zugpferd. Niemand will, dass er womöglich ein Jahr pausiert oder 2024 wieder hoffnungslos hinterherfährt.

Das ist eine verfahrene Situation, an der er nicht ganz unschuldig ist. Und sein Fahrstil passt jetzt nicht mehr so richtig zu diesen aerodynamisch verunstalteten Motorrädern. Deshalb stürzt er so häufig.

Du hast beim MotoGP-Einstieg 2017 gesagt: «Wir sind nicht mit dem olympischen Gedanken dabei, wir wollen die MotoGP eines Tages gewinnen.» Márquez ist ein Ausnahmekönner, wie man ihn nicht jeden Tag findet.

Ja, genau, wir wollen eines Tages Weltmeister werden. Aber einen Márquez zu verpflichten, ist nicht unser Weg. Wir bauen die Fahrer selber auf, von der Moto3 über Moto2.

Ich glaube auch an den Brad Binder und Jack Miller, der ja 2014 bei uns schon um den Moto3-WM-Titel gekämpft hat und jetzt zurückgekehrt ist.

Darf ich zusammenfassen: Eine Partnerschaft zwischen Pierer Mobility und Marc Márquez kommt nicht in Frage?

Ich sage nicht, das kommt nicht in Frage. Aber das passt nicht zu uns.

Und die Suche nach einem zusätzlichen MotoGP-Platz geht weiter?

Da fällt sicher noch der eine oder andere Platz runter. Da wette ich mit dir. (Er lacht).

Wenn ein MotoGP-Kundenteam finanzielle Probleme bekommt, wird die Pierer-Gruppe zugreifen?

Mit Sicherheit, wenn etwas auf den Markt kommt, werden wir es übernehmen. Ich gehe davon aus, dass der eine oder andere MotoGP-Platz frei wird und wir mit allen fünf Fahrern antreten werden. 

Auch Rookie Augusto Fernández hat ja eine zweite MotoGP-Saison verdient.

Absolut. Deshalb haben wir ja seinen Vertrag bereits verlängert. Er hat schon einen Vertrag. Und Pedro Acosta hat auch einen. Und wir gewährleisten, dass er 2024 auf einer MotoGP-KTM sitzt.

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