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Luca Bauer (24) weiß, wo er den Hebel ansetzen muss

Von Thorsten Horn
Luca Bauer wurde WM-Vierter

Luca Bauer wurde WM-Vierter

Bei Günther Bauers Eisspeedway-Abschiedsrennen in Inzell bekam dessen Sohn Luca von ihm den «Wohnzimmer-Schlüssel» für die Max-Aicher-Arena überreicht. Beinahe hätte sich der Filius mit einem WM-Podest dort eingelebt.

Außer für Showrunden als Kind war Luca Bauer nur 2019 in der Inzeller Max-Aicher-Arena, unweit seines Wohnortes Reit im Winkl entfernt, wettkampfmäßig am Startband. Beim Abschiedsrennen «Servus Schliff» seines Vaters Günther am vergangenen Freitagabend überreichte dieser ihm symbolisch einen überdimensionalen Schlüssel mit den Worten: «Inzell war jahrelang mein Wohnzimmer, nun soll es auch deins für viele Jahre werden.»

Wer da noch glaubte, dass die Fußstapfen des Vaters, immerhin Vizeweltmeister 2003 im Einzel und 2004 zusammen mit Markus Schwaiger und Robert Eibl mit der deutschen Mannschaft, zu groß sein könnten, musste sich spätestens am ersten der beiden WM-Tage eines Besseren belehren lassen.

In seinen fünf Heats gab Luca Bauer nur zwei Punkte ab: Einen gegen den späteren Weltmeister Martin Haarahiltunen und einen gegen den ebenfalls tags darauf als Vizeweltmeister gekürten Franky Zorn. Im Tagesfinale erwischte er von der äußeren Bahn einen Traumstart, setzte sich schnell an die zweite Position und fuhr auf seiner bevorzugten äußeren Linie auf den zweiten Platz – die Halle tobte.

Als vorläufiger WM-Zweiter ging Bauer schlafen und erklärte vorher gegenüber SPEEDWEEK.com: «Es lief super, aber Sonntag ist der entscheidende Tag. Mein Ziel sind die Top-3. Ich habe in der schwedischen Liga schon alle geschlagen und auch in der Europameisterschaft hatte ich gegen Franz Zorn meine Chance. Inzell ist ein bisschen breiter, da kann ich noch mehr meine Linien fahren. Auch das Eis ist hier besser für meine Verhältnisse. Von daher habe ich gewusst, dass, wenn alles passt und wir das nötige Glück haben, das braucht man immer, ich extrem schnell bin und vorne mitfahren kann. Ich bin froh, dass es genauso aufgegangen ist, wie ich es mir erhofft habe.»

Prompt lief es am finalen Tag, wenngleich nur in einem Heat, gegen den Vize-Europameister. In den Vorläufen hatte Bauer erneut gegen Zorn sowie Haarahiltunen je einen Punkt abgegeben, was nicht weiter besorgniserregend war. Das Line-up für den 20. und letzten Heat hingegen schon. Haarahiltunen und Zorn waren sicher im Finale. Zum Kampf um die weiteren zwei Startplätze traf Luca Bauer mit seinen zehn Punkten auf Harald Simon, Niclas Svensson und Markus Jell, die alle neun Zähler auf dem Zettel hatten.

Dementsprechend ging es zur Sache, denn jeder der vier konnte sich noch den Zutritt zum Kampf um die WM-Medaillen verschaffen. Eigentlich nicht schlecht gestartet, lag Luca Bauer nach der ersten Kurve dennoch hinter Harri Simon und Svensson junior nur auf dem dritten Platz. Und von hinten drückte der Deutsche Meister von Berlin zwei Wochen zuvor, Markus Jell. Als Bauer zu Beginn der zweiten Runde am Ausgang der Kurve 1 von außen in Richtung Bahnmitte zog, konnte Markus Jell nicht ausweichen, touchierte das Heck der Nummer 48 und flog in die Strohballen. Als Abbruchverursacher wurde er disqualifiziert und vom Re-Run ausgeschlossen, was man auch anders hätte bewerten können.
Auch im Wiederholungslauf musste Luca Bauer Svensson und Simon den Vortritt lassen und verpasste so das Finale. Ebenso verpasste er damit das WM-Podium und musste mit Rang 4 vorliebnehmen.

«Die ersten Läufe waren wieder sehr gut. Ich habe aber gewusst, dass der 20. Lauf nicht einfach wird. Ebenso wusste ich, dass wenn ich vorne wäre, auch mein Tempo gut wäre. So ist es aber nicht gekommen, deshalb war das Ergebnis schlecht. Ich bin überhaupt nicht zufrieden», zog der sichtlich enttäuschte Luca ein trauriges Fazit.

Dabei muss er das gesamte Wochenende überhaupt nicht negativ bewerten, schließlich hatte er (ohne Freitag) zehn starke Läufe gezeigt, nur in einem lief es nicht nach Plan. «Stimmt schon, aber das hilft mir jetzt auch nicht. Es hat halt nicht sollen sein. Der vierte Platz ist so viel wert wie ein siebter oder achter.»

Trösten konnte ihn auch sein zweiter Platz bei der EM im polnischen Sanok Ende Februar nicht. «Das war ich letztes Jahr schon und davor zweimal Dritter. Ich habe gewusst, dass ich hier vorn mitfahren kann. Mein klares Ziel war, unter die ersten drei zu kommen. Das habe ich nicht geschafft, also bin ich damit nicht zufrieden.» Bei einer späteren kurzen Whatsapp-Konversation sah die Welt für ihn schon wieder deutlich freundlicher aus.

Ein Manko hat Luca Bauer, zwar nicht erst in Inzell, sondern generell schon ausgemacht. Während zum Beispiel ein Haarahiltunen oder Simon in jede noch so kleine Lücke hineinstechen, tut sich Luca damit schwer. «Mancher Fahrer hat innen seine Stärken und manche außen. Ich gehöre zu denen, die die Außenbahn bevorzugen. Ich habe gewusst, dass ich, wenn ich hinten bin, nur schwerlich vorbeikommen werde. Ich muss schauen, dass ich auf das Niveau komme, um innen und außen stark zu sein. Wenn es leicht umzusetzen wäre, würde ich es ja machen. Umgekehrt, wenn die die innen schnell fahren es umsetzen könnten, auch außen schnell zu fahren, würden sie es auch machen. Aber so einfach ist das nicht. Es gibt nur wenige, die innen und außen stark sind», weiß der 24-Jährige.

WM-Endstand:

1. Martin Haarahiltunen (S), 40 Punkte
2. Franz Zorn (A), 32
3. Harald Simon (A), 32
4. Luca Bauer (D), 30
5. Niclas Svensson (S), 24
6. Markus Jell (D), 22
7. Stefan Svensson (S), 21
8. Mats Järf (FIN), 19
9. Jimmy Olsen (S), 15
10. Jo Saetre (N), 13
11. Max Koivula (FIN),
12. Andrej Divis (CZ), 9
13. Lukas Hutla (CZ), 9
14. Bennedikt Monn (D), 6
15. Franz Mayerbüchler (D), 4
16. Hans Weber (D), 3
17. Sebastian Reitsma (NL), 1
18. Max Niedermaier (D), 0

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