13 WM-Titel: Die Erfolge von Red Bull Racing

Von Mathias Brunner
Max Verstappen und sein Team feiern in Japan

Max Verstappen und sein Team feiern in Japan

​Red Bull Racing hat dank des Sieges von Max Verstappen in Japan zum sechsten Mal den WM-Titel für Rennwagenhersteller gewonnen, den Konstrukteurs-Pokal. Max Verstappen steht vor seinem dritten Titel.

In Japan hat Red Bull Racing den Triumph im Konstrukteurs-Pokal eingetütet – sechster Sieg (2010, 2011, 2012, 2013, 2022 und 2023). Am kommenden GP-Wochenende von Katar, mit Sprint am 7. Oktober und Grand Prix am 8., kann Max Verstappen seinen dritten Fahrer-WM-Titel in Folge gewinnen. Damit wird Red Bull Racing auf bereits 13 WM-Titel in der Königsklasse kommen.

Red Bull Racing hat beim Grossen Preis von Japan 2023 einen weiteren Meilenstein gesetzt: Sechster Triumph im Konstrukteurs-Pokal. In Kanada durfte RBR schon den 100. Sieg in der Königsklasse bejubeln. Kein Formel-1-Rennstall ist in kürzerer Zeit so weit gekommen. Und schon Anfang Oktober kann Max Verstappen mit einem Podestplatz im Katar-Sprint seinen dritten Fahrer-WM-Titel in Folge mit Red Bull Racing sicherstellen.

Red Bull Racing hat 15 von 16 Saisonrennen 2023 gewonnen, nur in Singapur musste eine Niederlage hingenommen werden. Und von den 27 vergangenen WM-Läufen hat RBR inzwischen 25 gewonnen! Nur George Russell funkte in Brasilien 2022 dazwischen und Carlos Sainz in Singapur 2023.

Red Bull Racing steht bei inzwischen 107 GP-Siegen (auf Rang 5 der ewigen Team-Siegerliste hinter Ferrari mit 243 Siegen, McLaren 183, Mercedes 125 und Williams 114).

Red Bull Racing stieg 2005 in die Königsklasse ein, 2009 gewann Sebastian Vettel in China für die Mannschaft aus Milton Keynes zum ersten Mal, nun sind es schon 257 Pokale der ersten Drei aus 363 Einsätzen, dazu 93 beste Rennrunden und 92 Pole-Positions. Kein GP-Rennstall hat seit dem Debüt in so kurzer Zeit so viel erreicht.

Zum Vergleich: In der gleichen Zeit, also von China 2009 bis Japan 2023, schaffte das stolze Ferrari nur 34 Siege.

RBR fuhr in 18 Jahren Formel-1-Sport sechs Konstrukteurs-Pokalsiege ein und bislang sechs Fahrer-WM-Titel (Sebastian Vettel 2010 bis 2013, Max Verstappen 2021 und 2022). Aus dieser Zeitspanne kann Ferrari nur zwei Markentitel vorweisen (2007 und 2008) und einen Fahrer-WM-Titel (2007 mit Kimi Räikkönen).

Mercedes-Benz trat schon in den 1950er Jahren in der Königsklasse an und kehrte offiziell 2012 zurück. Als die Formel 1 in die Turbohybrid-Ära trat, dominierte die Marke mit dem Stern jahrelang, vorwiegend dank hervorragender Motoren: Acht Konstrukteurs-Titel in Folge, von 2014 bis 2021, 112 Siege in dieser Zeitspanne.

Da musste Red Bull Racing mit Partner Renault vorliebnehmen, welche den Schritt in die neue Motor-Epoche verschlafen hatten. Erst mit Partner Honda ging es für RBR aufwärts.

Die Anfänge

Was vielen Fans nicht mehr geläufig ist: Die Wurzeln von Red Bull Racing reichen bis Sir Jackie Stewart. Denn die Geschichte von Red Bull Racing beginnt bei «Stewart Grand Prix». Doch das Team des einstigen Tyrrell-Stars tanzte nur drei Sommer lang. Der dreifache Formel-1-Champion verkaufte den Rennstall Ende 1999 an Ford, der US-Konzern machte daraus Jaguar – und fuhr prompt jahrelang hinterher. Nach fünf Jahren hatte Ford die Nase voll und suchte Käufer.

Red Bull-Mitbesitzer Dietrich Mateschitz witterte die Möglichkeit, aus dem Team einen Siegerrennstall zu formen. Er ernannte Christian Horner zum Teamchef, ab 2005 trat das frühere Jaguar-Team als Red Bull Racing an. Gleich im ersten Jahr fuhr RBR mehr Punkte ein als Jaguar in zwei Jahren zuvor!

Noch ein Schotte spielte eine elementare Rolle: David Coulthard. Nicht nur brachte er seine Erfahrung ein, er konnte auch mithelfen, im November 2005 jenen Mann nach Milton Keynes zu lotsen, der die Grundlage für elf WM-Titel legen sollte – der anerkannt beste Formel-1-Techniker der Gegenwart, Adrian Newey.

Durchbruch in Monaco 2006: David Coulthard als Dritter in Monte Carlo. Kurios, dass Red Bull Racing bei diesem Rennen Werbung für den neuen Superman-Kinofilm machte. Und so wurde Coulthard der erste Formel-1-Rennfahrer, der nach einem WM-Lauf mit Superhelden-Cape auf dem Podest stand.

Hinter den Kulissen war Newey am Umkrempeln. Der Engländer erzählt in seinem Buch «Wie man ein Auto baut»: «Bei den ersten Sitzungen spürte ich Widerstand, im Sinne von – wir wissen schon, was wir machen müssen. Am bedenklichsten fand ich, dass einer der führenden Ingenieure meinte: ‘Wir bei Jaguar ...’ Als klar wurde, dass sich nichts ändert, entliess ich drei Ingenieure, danach bewegte sich endlich etwas.»

Die Ära Vettel

2007 kam mit dem Modell RB3 der erste Wagen aus der Feder von Adrian Newey auf die Bahn. Red Bull Racing, 2005 mit Cosworth-Power und 2006 mit Motoren von Ferrari unterwegs, arbeitete nun mit Renault zusammen.

Neben David Coulthard kam Mark Webber ins Team. Der Australier hätte um ein Haar den Regen-GP von Japan gewonnen, aber während einer Safety-Car-Phase wurde er ausgerechnet von jenem Mann abgeräumt, der Coulthard ersetzen und für Red Bull Racing vier Mal Weltmeister werden würde – Sebastian Vettel.

Adrian Newey: «Die beiden ergänzten sich perfekt. Mark hatte ein exzellentes Gespür für die Aerodynamik. Und Seb war ganz stark in Sachen Mechanik, Motor und Reifen. Besser kannst du es als Techniker nicht haben.»

Jahrelang wurde Red Bull Racing im Fahrerlager als Spass-Team verkannt – die lauteste Musik, das cleverste Marketing, die schönsten Frauen, der humorige Blick auf den Sport in Form einer Fahrerlagerzeitung. Wie ernst es Dietrich Mateschitz mit dem Erfolgswillen war, merkte die Konkurrenz erst 2009 in vollem Umfang: RBR begann, Rennen zu gewinnen. Auftakt war ein Doppelsieg in China, Vettel vor Webber.

2010 hatten sowohl Webber als auch Vettel Chancen auf den Titel. Webber verlor wichtige Punkte mit einem Ausritt in Südkorea, im gleichen Rennen schied Vettel wegen Motorschadens aus, Fernando Alonso sagt im Ferrari «grazie» und gewann. Doch beim WM-Finale von Abu Dhabi konzentrierte sich der Ferrari-Kommandostand auf Webber, um Alonsos Position zu schützen, Aussenseiter Vettel profitierte und führte in der WM, als es drauf ankam – am Schluss.

Vettel wurde mit seinem Sieg im dramatischen Finale auf dem Yas Marina Circuit 2010 zum jüngsten Formel-1-Champion.

Dank überragender Aerodynamik und guter Rennstrategie, dank eines Jahrzehntetalents Vettel und eines soliden Webber reihte sich Titel an Titel: Vettel wurde vier Mal in Folge Weltmeister, RBR gewann parallel dazu vier Konstrukteurs-Meisterschaften in Serie (2010–2013).

Die Ära Verstappen

Beim Schritt in die Turbo-Ära Anfang 2014 kam die Erfolgsmaschine ins Stocken: Renault verschlief die Entwicklung. 2015 zeigte sich: Selbst das beste Chassis kann das Manko durch die enttäuschenden Renault-Motoren nicht wettmachen. Weder Leistung noch Standfestigkeit stimmte. Erstmals seit 2008 konnte kein Rennen gewonnen werden.

2016 errang Ricciardo wie 2014 den dritten Schlussrang hinter den fast unschlagbaren Mercedes-Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Im Frühling wurde der glücklose Daniil Kvyat durch den Rohdiamanten Max Verstappen ersetzt, der Niederländer bedankte sich mit dem Sieg im ersten Rennen für Red Bull Racing, in Spanien.

2017 kam Red Bull Racing erst im Frühsommer in Schwung, Max Verstappen und Daniel Ricciardo litten unter der Anfälligkeit der Renault-Motoren. Wenn der Wagen lief, war RBR bei der Musik: Ricciardo behielt die Nerven im Chaos-GP von Aserbaidschan und triumphierte, Verstappen siegte in Malaysia und Mexiko.

2018 bestätigte sich der Aufwärtstrend: Vier Siege (Ricciardo in China und Monaco, Verstappen in Österreich und Mexiko), eigentlich hätten es fünf sein müssen, wäre Max in Brasilien nicht über Esteban Ocon gestolpert.

Honda kommt

Ab 2019 hatte Red Bull Racing erstmals einen echten Werkspartner: Honda. Max Verstappen wurde 2019 und 2020 jeweils WM-Dritter und konnte in dieser Zeit weitere fünf Rennen gewinnen.

2021 dann die Krönung des Niederländers: Erster WM-Titel von Max Verstappen, nach dem dramatischen Finale von Abu Dhabi.

2022 legte Max nach, zweiter Fahrer-WM-Titel in Japan, und Red Bull Racing eroberte im Rahmen des Grossen Preises der USA den ersten Konstrukteurs-Pokal seit neun Jahren – einen Tag nach dem Tod von «Mr. Red Bull» Dietrich Mateschitz.

Erneuter Weltmeister-Titel, einen Tag lang Rolling Stones-Musik in der RBR-Box, die Mannschaft in Jeans – Didi Mateschitz hätte diesen Tag geliebt.

2023 machten sich Red Bull Racing und Max Verstappen früh auf den Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung. Max: «Wir haben ein noch stärkeres Auto als im vergangenen Jahr.»

Und dieser Höhenflug ist noch lange nicht zu Ende: Vor dem Hintergrund eines stabilen Reglements wird Red Bull Racing wohl auch 2024 und 2025 das Team sein, welches es zu schlagen gilt.

Konstrukteurs-Pokal: Die Sieger

1958 Vanvall
1959 Cooper
1960 Cooper
1961 Ferrari
1962 BRM
1963 Lotus
1964 Ferrari
1965 Lotus
1966 Brabham
1967 Brabham
1968 Lotus
1969 Matra
1970 Lotus
1971 Tyrrell
1972 Lotus
1973 Lotus
1974 McLaren
1975 Ferrari
1976 Ferrari
1977 Ferrari
1978 Lotus
1979 Ferrari
1980 Williams
1981 Williams
1982 Ferrari
1983 Ferrari
1984 McLaren
1985 McLaren
1986 Williams
1987 Williams
1988 McLaren
1989 McLaren
1990 McLaren
1991 McLaren
1992 Williams
1993 Williams
1994 Williams
1995 Benetton
1996 Williams
1997 Williams
1998 McLaren
1999 Ferrari
2000 Ferrari
2001 Ferrari
2002 Ferrari
2003 Ferrari
2004 Ferrari
2005 Renault
2006 Renault
2007 Ferrari
2008 Ferrari
2009 BrawnGP
2010 Red Bull Racing
2011 Red Bull Racing
2012 Red Bull Racing
2013 Red Bull Racing
2014 Mercedes
2015 Mercedes
2016 Mercedes
2017 Mercedes
2018 Mercedes
2019 Mercedes
2020 Mercedes
2021 Mercedes
2022 Red Bull Racing
2023 Red Bull Racing

Red Bull Racing – die Fahrer

2005: David Coulthard (GB), Christian Klien (A), Tonio Liuzzi (I)
2006: David Coulthard, Christian Klien, Robert Doornbos (NL)
2007: David Coulthard, Mark Webber (AUS)
2008: David Coulthard, Mark Webber
2009: Sebastian Vettel (D), Mark Webber
2010: Sebastian Vettel, Mark Webber
2011: Sebastian Vettel, Mark Webber
2012: Sebastian Vettel, Mark Webber
2013: Sebastian Vettel, Mark Webber
2014: Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo (AUS)
2015: Daniel Ricciardo, Daniil Kvyat (RU)
2016: Daniel Ricciardo, Kvyat, Max Verstappen (NL)
2017: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2018: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2019: Max Verstappen, Pierre Gasly (F), Alex Albon (T)
2020: Max Verstappen, Albon
2021: Max Verstappen, Sergio Pérez (MEX)
2022: Verstappen, Pérez
2023: Verstappen, Pérez

Red Bull Racing – die Motoren

2005: Cosworth
2006: Ferrari
2007–2018: Renault
Seit 2019: Honda

Red Bull Racing – die Zwischenbilanz

6 Fahrer-WM-Titel (Vettel 2010–2013, Verstappen 2021/2022)
6 Konstrukteurs-Pokale (2010–2013, 2022 und 2023)
363 Grands Prix
92 Pole-Positions
93 beste Rennrunden
107 Siege
28 Doppelsiege
257 Podestplätze
6187 Führungsrunden
7011 WM-Punkte

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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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