Formel 1: Reaktion auf Sabotage-Vorwurf

Ferrari und Mercedes: Jagd nach 1000 PS mit Sorgen

Von Mathias Brunner
​Mercedes-Benz hat vorgemacht, was Ferrari in der Saison 2018 erreichen will: die magische Grenze von 1000 PS. Aber die Jagd nach mehr Leistung ist für beide WM-Favoriten nicht unproblematisch.

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner macht sich Sorgen. Der Engländer glaubt: Der Vorsprung von Ferrari und Mercedes beim Motor ist so gross, dass Renault und Honda schwerlich aufholen können.

Das gegenwärtige Formel-1-Motorenreglement läuft bis Ende 2020. Bis dahin müssen wir mit diesen 1,6-Liter-V6-Einzelturbomotoren auskommen, die mit einer Mehrfach-Energierückgewinnung ausgerüstet sind, sündhaft viel Geld gekostet haben und für so manchen Fan klingen wie ein genervter Staugsauger.

Erst 2021 werden wir ein neues Regelement erhalten. Das Grundprinzip eines aufgeladenen V6-Hybridmotors wird bleiben, allerdings fällt wohl die Energierückgewinnung am Lader weg, also der elektrische Generator für die so genannte MGU-H. Davon versprechen sich die Verantwortlichen einen besseren Sound und eine Verringerung der Kosten.

Beim heutigen Reglement hofften die Fans, dass der Klassenbeste Mercedes irgendwann eingeholt wird. Von 2014 bis 2017 machten Lewis Hamilton und Nico Rosberg den WM-Titel unter sich aus.

2017 erlebten wir ein erstarktes Ferrari, mit einem Motor aus Maranello, der fast an den Mercedes-V6 herangekommen ist. Aber Renault und vor allem Honda sind weiter im Rückstand, und Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner befürchtet, dass sich das so schnell nicht ändern wird. Der Engländer sagte bei der britischen Sky: «Es ist für uns inakzeptabel, dass wir nicht konkurrenzfähig sind, also setzen wir Himmel und Hölle in Bewegung, um das zu ändern – in der Regel in Form eines vorzüglichen Chassis. Aber die Realität sieht so aus, dass Mercedes und Ferrari uns so weit enteilt sind, dass es mir schwerfällt zu begreifen, wie wir das von heute bis Ende 2020 wettmachen sollen.»

Horner hat aus seiner Abneigung gegenüber der jüngsten F1-Motorengeneration nie ein Geheimnis gemacht. Wäre es nach dem früheren Rennfahrer gegangen, würden sich die Fans noch heute an den herrlich hochdrehenden, ohrenbetäubend kreischenden Saugmotoren erfreuen. Die neuen Turbos wurden auf Drängen der FIA und der Autohersteller eingeführt.

2017 hat Mercedes teilweise die magische Grenze von 1000 PS überschritten. Aber die Suche nach mehr Leistung hat ihren Preis. Gemäss Informationen des Corriere dello Sport soll es auf dem Mercedes-Prüfständen zu Brüchen am Auspuff gekommen sein. Die Schäden seinen aufgrund von Vibrationen des Getriebes passiert. Mercedes kommentiert solche Gerüchte grundsätzlich nicht.

Das ruft die Saison 2016 und Ferrari in Erinnerung. Da kam es ebenfalls zu Getriebeschäden, angeblich deshalb, weil die italienische Kraftübertragung nicht verwindungssteif gewesen war.

Zu den magischen 1000 PS sagte Mercedes-Motorenchef Andy Cowell Anfang 2017: «Um Rennen zu gewinnen, vollführen wir kein Rennen der Prüfstände. Wenn es nur im Topleistung ginge, dann würden wir andere Bereiche komplett ignorieren. Wir hingegen wollen nicht notwendigerweise den kraftvollsten Motor haben, sondern einer, der sein Marschsoll erreicht, der gut ins Auto passt, der uns so viele Punkte wie möglich schenkt.»

Ferrari wiederum hat für 2018 daran gearbeitet, die Antriebseinheit leichter zu machen, nicht nur beim Motorblock, sondern vor allem im Bereich Energierückgewinnung. In Sachen Leistung, so ist aus Italien zu hören, wähnen sich die Ferrari-Techniker inzwischen auf dem Leistungsniveau von Mercedes. Auch Ferrari hatte Mühe damit, den sehr guten Motor noch besser zu machen. Die schärfste Motorversion 2017 kam gemäss Aussagen von Ferrari-Chef Sergio Marchionne nie zum Renneinsatz, weil das Aggregat nicht standfest genug lief.

Bezüglich Zuverlässigkeit können wir es gar nicht oft genug betonen: 2018 sind pro Fahrer und Saison weniger Antriebseinheiten erlaubt.

Zur Erinnerung: Eine moderne Antriebs-Einheit der Formel 1 ist reglementarisch in sechs Elemente aufgeteilt:

– V6-Verbrennungsmotor
– Turbolader
– MGU-H («motor generator unit – heat»; also der Generator für jene Energie, die beim Turbolader gesammelt wird)
– MGU-K («motor generator unit – kinetic»; also der Generator für die kinetische Energie, die beim Bremsen gesammelt wird)
– Batterie-Paket
– Kontroll-Elektronik 

Erlaubt sind 2018: Drei Verbrennungsmotoren, drei MGU-H, drei Turbolader, zwei MGU-K, zwei Batterien und zwei Kontroll-Einheiten.

Sollte ein Fahrer mehr als diese Elemente brauchen, setzt es die üblichen Strafversetzungen, ein zweites neues Element führt automatisch zum Start am Schluss des Feldes.

Andy Cowell ist davon überzeugt, dass dies eine lösbare Aufgabe ist, wie der Engländer bei unseren Kollegen von motorsport.com beteuerte: «In den letzten zehn Jahren haben wir die Laufleistung der Motoren Schritt um Schritt erhöht. Also ist das für die Motorhersteller nicht etwas komplett Neues, nur die Zahlen haben sich ein wenig verändert. Du musst weiterhin abwägen, mit wie viel Leistung du im Qualifying und dann im Rennen fahren willst.»

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