Formel 1: Reaktion auf Sabotage-Vorwurf

Cassidy und Jaguar: In der Wüste top

Von Gerhard Kuntschik
Zwei Mal Dritter, dann ein Sieg und zwei Mal den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde geholt: Nick Cassidy ist der neue Dominator der Formel-E-WM.

Der 29-jährige Neuseeländer bewies im Doppel von Diriyah, dass er zum Mitfavoriten gereift ist. Der frühere DTM-Pilot und Neuzugang bei Jaguar löste mit dem kontrolliert herausgefahrenen ersten Saisonsieg nicht nur Pascal Wehrlein an der WM-Spitze ab, sondern setzte auch intern ein Ausrufzeichen gegen seinen Landsmann, Teamkollegen und eigentlichen WM-Favoriten Mitch Evans, der in Saudi-Arabien über die Plätze fünf bzw. zehn nicht hinauskam. Das mäßige Ergebnis im zweiten E-Prix von Diriyah war einer schlechten Startposition (13.) geschuldet, nachdem Evans tags zuvor in der letzten Runde einen Podestplatz durch einen zu riskanten Überholversuch vergeben hatte.

 

  Nick Cassidy verließ Diriyah mit 19 Punkten Vorsprung auf den bisherigen WM-Leader Wehrlein, der in der Wüste nur Achter und Siebenter werden konnte. Weltmeister Jake Dennis feierte für Andretti-Porsche zwar im ersten Diriyah-Rennen den ersten Saisonsieg (mit rekordverdächtigem Vorsprung von 13,3 Sekunden auf Jean-Éric Vergne im DS Penske), verlor Platz zehn und einen Punkt im zweiten aber wegen einer Zeitstrafe nach Überholen von Evans unter gelb. Dennis hat nun 29 Zähler Rückstand auf Cassidy, Evans liegt schon 36 Zähler hinter dem Teamkollegen. Was für Jaguar aber eine komfortable Führung in der Teamwertung bedeutet – 31 Punkte auf DS Penske und schon 40 auf Porsche, wo Antonio Felix da Costa noch immer nicht angeschrieben hat.

 

Mit Top-Ten-Ergebnissen in allen drei Rennen schlägt sich Maserati-Teamleader Max Günther bisher gut, in Arabien wurde er Siebenter und Neunter, was ihm Platz sechs in der Zwischenwertung bringt. «Meine Qualifikation lief nicht nach Plan. Ich konnte dann durch eine gute Strategie ein paar Plätze aufholen, dafür bedanke ich mich beim Team. Insgesamt sind drei Top-Ten-Ergebnisse kein schlechter Start» resümierte Günther. Teamkollege und Rookie Jehan Daruvala konnte seinen überraschenden fünften Startplatz im zweiten Rennen nicht nützen und schied vorzeitig aus.

 

Jaguar dominant

Dass der Jaguar-Antrieb auch heuer das Maß der Dinge ist, unterstrich Envision-Pilot Robin Frijns mit Platz zwei im zweiten Rennen, nachdem er auch aus dieser Position gestartet war und kurzzeitig führte. Pole-Sitter Oliver Rowland (Nissan), nach längerer Durststrecke wieder ganz vorn dabei, erkämpfte sich im Finish trotz Druck von Jake Hughes (McLaren) den letzten Podestplatz. Ein leichter Aufwärtstrend reichte für Abt Cupra aber noch nicht zu ersten Punkten – Nico Müllers 13. Rang im zweiten Lauf war zu wenig.

 

«Das ist gewaltig, wie ein Traum. Ich hatte ein sensationelles Auto. Jeder Sieg ist speziell, aber dieser Saisonstart ist einfach traumhaft», gab Cassidy zu Protokoll, der als Quali-Dritter in Runde fünf (von 36) die Spitze übernahm und bei seinen Umwegen über die Attack-Mode-Zone genug Vorsprung hatte, um die Führung zu verteidigen. «Ich hatte zu Saisonbeginn Schwierigkeiten, mich an mein Auto zu gewöhnen. Jetzt wird es aber sukzessive besser. Nick (Cassidy) hat ja ein Jahr Erfahrungsvorsprung mit dem Jaguar-Powertrain», erklärte Frijns, der bei Envision im Winter Cassidys Platz eingenommen hatte.

 

Wehrlein musste zugeben, dass es „ein ernüchterndes Renndoppel für uns“ war. «Im Qualifying fehlte uns die Pace. Die Platzierungen hier waren nicht unser Anspruch. Im Rennen lief es etwas besser, wir konnten einige Plätze gutmachen. Aber wir müssen die längere Pause bis zum nächsten Rennen nützen, um hart an Verbesserungen zu arbeiten.» Durchhalteparolen gab da Costa aus: «Ich bin keiner, der aufgibt. Ich werde alles geben, um schnell da wieder herauszukommen.»

 

Nach der Absage von Hyderabad (war für 10. Februar geplant, wir berichteten) wird die Formel E erst in sieben Wochen, am 16. März, den vierten Lauf in Sao Paulo bestreiten.

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