Max Neukirchner: «Mandy musste meine Frau überreden»

Von Helmut Ohner
Max Neukirchner kehrt zu YART zurück und übernimmt von Andrew Pitt den verantwortungsvollen Posten des Crew Chiefs. Bevor es allerdings dazu kam, musste erst seine Frau umgestimmt werden.

Als Crew Chief hatte der zweifache Supersport-Weltmeister Andrew Pitt diese Saison einen großen Anteil am zweiten Gewinn der Langstrecken-Weltmeisterschaft von YART Yamaha Official Team EWC. Doch der gewiefte Australier steht im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung, weil er künftig in der Superbike-WM dem sechsfachen Weltmeister Jonathan Rea bei seinem Umstieg von Kawasaki zu Yamaha zur Seite stehen wird.

Beim Yamaha Austria Racing Team war guter Rat teuer, wer die Position von Pitt übernehmen könnte. Es dauerte nicht allzu lange und der Name von Max Neukirchner wurde in den Ring geworfen. Der Deutsche war in der Saison 2017/2018 bereits Teil der Mannschaft. In Le Mans holte er sich mit Broc Parkes und Marvin Fritz als Teamkollegen die Pole-Position und auf dem Slovakia Ring gewann das Trio das Acht-Stunden-Rennen.

«Der Crew Chief ist das Bindeglied zwischen den Fahrern auf der einen Seite und dem Elektroniker, dem Reifentechniker, dem Fahrwerksmann und den Mechanikern auf der anderen Seite», erklärt Teamboss Many Kainz. «Er muss aus den Aussagen der drei Fahrer einen Kompromiss finden. Außerdem erarbeitet er den Trainingsplan. Er bestimmt, wie lange ein Pilot im Training mit welchen Reifen fährt. Nach meiner Meinung kann diesen Job nur ein früherer Fahrer zur Zufriedenheit erledigen.»

Der österreichische Teamchef und seine Piloten Marvin Fritz, Karel Hanika und Niccolò Canepa, die diese Saison die 14 Jahre dauernde Durststrecke vom ersten zum zweiten WM-Titel beenden konnten, hatten sich also festgelegt, dass Neukirchner der perfekte Nachfolger von Pitt wäre, nur der Auserwählte musste noch überzeugt werden oder besser gesagt, dessen bessere Hälfte!

«Irgendwann im Oktober hat mich Mandy angerufen. Ich hatte mit meiner Frau und den Kindern gerade die Feuerschale im Garten angemacht», erinnert sich Neukirchner, der nach wie vor der einzige deutsche Fahrer ist, der das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewinnen konnte. «Er hat mir eröffnet: <Max, also pass einmal auf! Wir sind uns alle einig. Wir brauchen einen neuen Crew Chief und da kommst nur du in Frage.>»

«Da musste ich ihm sagen, dass ich das leider ablehnen muss, denn wenn ich zu meiner Frau gehe und ihr sage, dass ich jetzt noch einmal sechs Wochen im Jahr unterwegs sein werde, hackt sie mir den Kopf ab. Das geht nicht. Das Einzige, was du machen kannst, ist, meine Frau zu fragen. Es soll jetzt aber nicht rüberkommen, dass ich unter dem Pantoffel meiner Frau stehe», ergänzt er gegenüber Erik Klose im Podcast «Asphaltheld».

«Du weißt ja selber Erik, mit unserem Kurvenfahrtraining, den Rennstrecken-Veranstaltungen und eigene Veranstaltungen, wo wir in ganz Europa coachen, sogar in Australien waren wir zuerst, ist das schwierig. Ich habe zu Hause auch noch in der Immobilienverwaltung mehrere Immobilien zu betreuen und einen Hausmeisterdienst mit drei Angestellten. Deswegen habe ich zu Mandy gesagt, dass es nicht geht, ich dafür keine Zeit habe. Ich habe ihm gesagt, dass er ja meine Frau fragen kann. Aber ruf sie bitte nicht heute an, denn heute ist ein ganz schlechter Zeitpunkt. Am besten erst morgen nach dem Frühstück.»

«Und er hat sie wirklich nach dem Frühstück angerufen. Die ersten fünf Minuten hat sie mich relativ böse angeschaut. Aber nach zehn Minuten war es geklärt. Mandy hat wirklich ein Riesentalent Leute zu überzeugen. Eigentlich bin ich jetzt überglücklich. Dadurch, dass ich ja kein Moderator mehr bei Eurosport und auch in der IDM nicht mehr unterwegs bin, habe ich wieder Freizeit. Deshalb freut es mich, bei YART als Crew Chief dabei zu sein, weil es für mich eine Familie ist.»

«Ich glaube mit meiner ganzen Erfahrung aus der Langstrecken-WM, der Superbike-WM und meinen Trainerscheinen, wo ich auch gelernt habe, mental auf die Fahrer einzugehen, und natürlich auch mit meinen Erfahrungen mit dem Data-Recording und wie man ein Motorrad richtig hinstellt, kann ich einiges beitragen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich der Einzige bin, der das gesamte Team kennt und mit Leuten umgehen kann.»

«Ich kann das Team unterstützen und freue mich riesig auf diese Aufgabe. Kürzlich hat YART seine Abschlussfeier gehabt, wo die Mannschaft nochmal den WM-Titel gefeiert haben. Das war in der Steiermark auf dem Red Bull Ring. Wir sind dort mit acht bis zehn Autos um die Wette gefahren und hatten jede Menge Spaß. Und natürlich haben wir gefeiert. Ich wurde als neuer Crew Chief vorgestellt und alle haben es für gut befunden.»

Terminkalender
18. – 21.04.2024 24h Le Mans (Frankreich)
06. – 08.06.2024 8h Spa-Francorchamps (Belgien)
18. – 21.07.2024 8h Suzuka (Japan)
12. – 15.09.2024 Bol d’Or (Frankreich)

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Nachbehandlung mit dem Doktor: Japan

Dr. Helmut Marko
Exklusiv auf SPEEDWEEK.com: Dr. Helmut Marko, Motorsport-Berater von Red Bull, analysiert den jüngsten Grand Prix. Diesmal: Suzuka, ein fast perfektes Rennen, und warum wir keinen Stress haben.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Mi.. 17.04., 06:45, SPORT1+
    NASCAR Cup Series
  • Mi.. 17.04., 07:45, Motorvision TV
    Tourenwagen: Supercars Championship
  • Mi.. 17.04., 08:30, Eurosport 2
    Formel E: FIA-Weltmeisterschaft
  • Mi.. 17.04., 09:05, Motorvision TV
    Top Speed Classic
  • Mi.. 17.04., 09:30, Eurosport 2
    Motorradsport: FIM-Langstrecken-WM
  • Mi.. 17.04., 10:00, Hamburg 1
    car port
  • Mi.. 17.04., 10:30, Motorvision TV
    4x4 - Das Allrad-Magazin
  • Mi.. 17.04., 11:50, Motorvision TV
    Bike World
  • Mi.. 17.04., 14:05, Motorvision TV
    Gearing Up
  • Mi.. 17.04., 14:30, Motorvision TV
    Car History
» zum TV-Programm
12