Schweizer Motorradsport: Die Steinzeit ist vorbei
Rennen sind prickelnder als Verbandspolitik, aber ohne Verbände gäbe es keine prickelnden Rennen
Swiss Moto (Schweizerischer Motorradverband) und der SAM (Schweizerischer Auto- und Motorradfahrer-Verband) verstärken ihre Zusammenarbeit im sportlichen Bereich. In den vergangenen Monaten haben Rolf Enz (CEO und Chef Leistungssport Swiss Moto) und Gisela Hilfiker (Sportpräsidentin SAM) die gemeinsamen Strukturen grundlegend überarbeitet und an die neue Ausgangslage nach der Aufstufung von Swiss Moto durch Swiss Olympic angepasst.
Das hört sich nun nicht so prickelnd an wie die Reportage von einem spannenden Rennen, ist aber für die Zukunft des Schweizer Motorradsports wesentlich bedeutungsvoller als ein herzergreifender Fight um einen Rennsieg.
Die Hintergründe dürften den SPEEDWEEK-Lesern ausserhalb der Schweiz nicht geläufig sein: Der Verband Swiss Moto ist als Mitglied bei Swiss Olympic in die Schweizer Sporthierarchie und –förderung eingebunden, organisiert Rennen und Meisterschaften und ist einzig berechtigt, im Motorradsport Schweizer Meistertitel zu vergeben. Auch der SAM organisiert Rennen und Meisterschaften in den Disziplinen Motocross, Supermoto, Trial, Cross Country Enduro und Minibike.
Vor dem Hintergrund dieser gewachsenen Strukturen lässt sich eine Konkurrenzsituation nicht wegreden, die in der Vergangenheit niemandem geholfen hat: Statt eines Rennens mit vollem Fahrerfeld gab es am gleichen Wochenende zwei Rumpfrennen um Siege und Meistertitel mit beschränkter Aussagekraft.
Mit der Aufstufung von Swiss Moto durch Swiss Olympic auf die Förderstufe 4 auf 3 (von 5) auf 2025 bekommt Swiss Moto zusätzliche, zweckgebundene Fördermittel, muss aber auch höhere Anforderungen erfüllen in den Bereichen Talententwicklung, Nachhaltigkeit und Governance. Unter anderem können nurmehr von Swiss Moto lizenzierte Fahrer an Schweizer Meisterschaften teilnehmen. In der Vergangenheit konnte mit der jeweiligen Lizenz auch beim anderen Verband gestartet werden.
Enz und Hilfiker erarbeiteten pragmatische Lösungen. Die Teilnehmer der beiden Inter-Klassen der Supermoto-SM fahren ausschliesslich mit Swiss Moto-Lizenzen, ebenso im Motocross die Gespannteams und die Damen. Die Lizenzeinnahmen werden zwischen den Verbänden geteilt. Darüber hinaus werden die beiden Motocross-Meisterschaften der Damen zusammengelegt, gefahren wird um den Titel der Schweizer Motocross-Meisterin.
Das traditionsreiche Motocross Wohlen, das 1998 im Unfrieden die damalige FMS – heute Swiss Moto - verliess und zum SAM wechselte, wird 2026 wieder Rennen der beiden höchsten Motocross-Klassen MX1 und MX2 durchführen, deren Meisterschaft von Swiss Moto ausgerichtet wird.
Diese Änderungen sind nur eine von zahlreichen Massnahmen und Projekten im Zusammenhang mit der Eingliederung des heimischen Motorradsports in das Schweizer Sportsystem, die von Swiss Olympic bis Ende 2026 gefordert wird. Sollte Swiss Moto diese Eingliederung misslingen, droht dem Schweizer Motorradsport die Rückstufung für mehrere Jahrzehnte. Das wäre nicht nur ein finanzieller Verlust. Schwerwiegender wäre der Verlust der frisch gewonnen sportlichen und politischen Anerkennung und der unvermeidbare Rückfall in die nicht erstrebenswerte Steinzeit.










